Die Liebe ist in einem Dilemma. Für viele zum lebenswichtigsten Ereignis geworden, erweist sie sich zugleich als immer flüchtiger und unbeständiger. Diese höchst widersprüchliche Erfahrung trieb mich an, nach ihrem Geheimnis zu suchen. Danach zu fragen, worauf es in der Liebe ankommt, was sie ausmacht und ob es sie heute überhaupt noch geben kann.

Anstoss zum Film gab die Geschichte von Peter Mäder. Es ist die Geschichte jener verzweifelten Suche nach einer Frau, die wirklich zu einem passt. Nun wollte er eine Internetbekanntschaft zum ersten Mal auf der Krim treffen. Voller Skepsis begleitete ich ihn und Tanja nach diesem ersten Treffen mit der Kamera. Zugleich suchte ich nach einem ganz anderen Paar: Einem Paar, das vollkommen miteinander verbunden und – ganz nach dem romantischen Ideal - eine vollkommene Einheit oder Fusion bildete. In Wien, Berlin, Zürich und Paris traf ich unzählige Paare, bis eine Assistentin mich auf Hannah und Samuel Robertson aufmerksam machte, auf die sie über Internet gestossen war. Nach der ersten Begegnung in Portland, Oregon, war ich mir sicher, dass deren Liebe eine vollkommen andere war als sie es bei Peter und Tanja je sein würde. Zugleich wurde mir bewusst, dass dieser grosse Unterschied zwischen den beiden Geschichten eine Chance war, mich dem Phänomen der Liebe filmisch annähern zu können. Denn die Gegensätze erhellen sich wechselseitig.

Bei meinen Recherchen stiess ich zur gleichen Zeit auf Sven Hillenkamps Buch „Das Ende der Liebe“ und lernte den in Stockholm lebenden Autor wenig später in Berlin kennen. Dieser wies mich auf eine Veranstaltung zur Frage der Liebe in Zeiten der Moderne hin, welche er in München zusammen mit der berühmten Eva Illouz bestreiten würde. Neugierig heftete ich mich an beider Fersen. Die Veranstaltung bestärkte mich, Sven Hillenkamp und Eva Illouz für den Film zu gewinnen. Nie zuvor hatte ich erlebt, dass Gedanken über die Liebe so präzis und erhellend sein können, fern der einschlägigen Ratgeberliteratur und ohne Relativierungen. Als Soziologen scheuen sich Illouz und Hillenkamp nicht vor verbindlichen Beschreibungen und Aussagen. Sind es bei Illouz die unlösbaren Widersprüche, welche die Liebe prägen, so ist für Hillenkamp die Liebe heute angesichts der „unendlichen Möglichkeiten“ und den vielfältigen Erfahrungen, die jede und jeder mit sich bringt, am Ende.

Je länger ich am Film arbeitete, desto mehr zeichnete sich ab, dass YES NO MAYBE nicht nur ein Film über die grundlegenden Fragen der Liebe sein würde, sondern auch ein Film über das Verhältnis von Gefühl und Gedanken. Das heisst über das Dilemma, dass das Empfinden und das Denken in der Liebe oft nicht übereinstimmen, dass das Gefühle und Gedanken sich immer mehr voneinander entfernen, heute mehr denn je.